16.12.2011 17:52

  • Currently 3.8/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(11 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Buemi war vielleicht zu leise

Es ist paradox: Vor einem Jahr war Sébastien Buemi trotz mässiger Leistungen noch vor dem Saisonende als Toro Rosso-Stammfahrer für 2011 bestätigt worden. Jetzt wird er ausgemustert, obwohl er gewaltige Fortschritte gemacht hat. Im fahrerischen, technischen, körperlichen, und vor allem im mentalen Bereich.

Vor einem Jahr hätte ich Buemi kaum zugetraut, dass er noch eine ganze Saison bei Toro Rosso fahren würde. Doch dank seiner Leistungssteigerung setzte er sich durch. Obwohl der Druck auf den Romand beinahe unerträglich war. Buemi ertrug alles mit einer Coolness, die bemerkenswert ist. Selbst in der Pannenserie der zweiten Saisonhälfte mit taktischen Fehlern des Teams, Benzinschlamperei, Versagen der Mechaniker beim Boxenstopp, Motorschaden, Hydraulikschaden, reihenweise Ausfälle ohne eigene Schuld, selbst da hörte ich nie ein böses Wort von Buemi gegen das Team.


Beim Team sehr beliebt


Die Loyalität wurde nicht belohnt. Vielleicht hätte er öfter mal etwas deutlicher werden sollen. Aber Buemi ist nicht der Typ dazu. Er konzentriert sich auf seine Leistung, steht mit beiden Füssen auf dem Boden. Mit ihm zusammenzuarbeiten war für mich ein Genuss. Buemi war stets offen, auskunftsfreudig, engagiert, gut informiert. Eine Bereicherung, auch für das Team. Das dankten ihm auch viele Toro Rosso-Mitarbeiter. Einige sagten mir, sie wünschten sich, dass Buemi bleibt. Der Red Bull-Sportverantwortliche Helmut Marko, der letztlich über das Schicksal der Fahrer entscheidet, sah es anders. 

Sébestien Buemi.

Die neuen Toro Rosso-Piloten unterschieden sich von Buemi. Sie sind vor allem lauter. Jean-Eric Vergne sagte schon in Abu Dhabi nach seinem Freitagmorgen-Testeinsatz: «Mein Ziel ist der WM-Titel, und was Webber kann, kann ich schon längst». Und Daniel Ricciardo ist ein Strahlemann, der aber bei HRT gegen Vitantonio Liuzzi (auch ein geschasster Toro Rosso-Pilot) einen sehr schweren Stand hatte.

Kein freies Red-Bull-Cockpit

«3 Lehrjahre im Juniorteam sind genug», lautet die Begründung von Teamchef Franz Tost. Das leuchtet ein. Tost hatte mir 2009 beim Buemi-Début in Melbourne gesagt: «Sein erstes Jahr gilt der Ausbildung, im zweiten soll er regelmässig punkten, und im dritten wird er ein Siegfahrer.» Der Plan war also ein Wechsel zu Red Bull nach zwei Jahren. Doch im Schicksalsjahr 2010 war erstens der Toro Rosso nicht konkurrenzfähig und zweitens Buemis zweite Saisonhälfte ungenügend.

2011 haben Buemi und Alguersuari sich im Gleichschritt massiv verbessert, aber durch Webbers Vertragsverlängerung im August war der Aufzug nach oben besetzt. Vettel ist bis 2014 fix, also wäre ohnehin nur einer in Frage gekommen. Man ersparte sich die Qual der Wahl, so mussten beide gehen.

Ernüchternde Bilanz

Für das Red Bull-Juniorprogramm ist das kein Ruhmesblatt. Die Liste der in der Formel 1 gescheiterten Red-Bull-Junioren: Enrique Bernoldi, Christian Klien, Scott Speed, Sébastien Bourdais, Vitantonio Liuzzi, sowie jetzt Buemi und Alguersuari. Auf der «Plus-Liste» steht einzig Sebastian Vettel, der zweifache Red-Bull-Weltmeister. Und selbst er wäre Red Bull beinahe abgesprungen, er war für BMW-Sauber bereit. Zum Glück für Red Bull entschied man sich in Hinwil und München gegen Vettel.

Ich bin gespannt, ob Ricciardo und Vergne das Zeug haben, um die «Plus-Liste» der Red Bull-Junioren zu verlängern.





[2] Kommentare
Permalink


27.11.2011 22:31

  • Currently 3.9/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(13 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Man of the Race - Adrian Sutil

Der Deutsche, der stets im Schatten von Sebastian Vettel, Michael Schumacher und Nico Rosberg steht, fuhr ein hervorragendes Rennen und krönte seine Leistung mit dem Überholmanöver gegen Rosberg im Mercedes. Es war erneut ein fehlerloses Wochenende für den Wahl-Oensinger, und als Belohnung stiess er in der Fahrer-WM auf Rang 9 vor. Best of the rest - hinter den vier Top-Teams - und der soll bei Force India aussortiert werden? Vijay Mallya, der Teamchef, weiss sehr wohl, weshalb er sich die Fahrerwahl zwischen Nico Hülkenberg, Paul Di Resta und Sutil so schwer macht. Sutil ist sein bestes Pferd im Stall. f1_sutil_blog_r.jpg

 

Webbers erster Sieg in diesem Jahr

Mit einem Getriebeproblem erklärte das Team über Funk die plötzliche Verlangsamung von Vettel, die Mark Webber die Führung und den Sieg ermöglichte. Das wird so stehen bleiben in den Chroniken, aber genauso wie die Tatsache, dass Vettel trotz Getriebeproblemen immer wieder Rundenzeiten fuhr, die auf der Höhe von Webber waren. Vettels Funkspruch «Ich fühle mich wie Senna 1991» wirkte wie eine Anspielung auf das Suzuka-Rennen 1991, als Senna Berger gewinnen liess. Doch Vettel meinte offenbar das Interlagos-Rennen, das Senna 1991 trotz Getriebeproblemen gewann. Ohne wenn und aber, der Sieg hat Webber noch auf den 3. WM-Rang befördert, einen Punkt vor Alonso.

 

Sauber - ein doppelt versöhnlicher Abschluss

Nach dem Korea-Debakel hätte wohl kaum jemand mehr auf einen 7. Rang in der Konstrukteure-WM gewettet, auch Peter Sauber nicht. Toro Rosso war in jenem Rennen sehr stark, stärker noch als Force India. Aber Sauber fand den Weg zurück, und mit dem Schweizer Team auch Kamui Kobayashi, für den Sao Paulo wohl langsam zu einer Lieblingsstrecke wird. Hier hatte er 2009 sein eindrucksvolles Debüt gefeiert, hier holte er im Vorjahr einen Punkt, und diesmal sogar deren zwei. Dank gutem Start und 2-Stopp-Strategie stiess er vom 16. Startplatz auf Schlussrang 9 vor. Das wertete die enttäuschende 2. Saisonhälfte des Japaners deutlich auf. Schade um den Dreher von Sergio Pérez bei Rennhälfte. Sauber hat das Saisonziel, Rang 6, verfehlt, aber Rang 7 konnte gegen Toro Rosso behauptet werden. Verlierer ist Williams, das von 6 auf 9 purzelte. Seit 1978 landeten die Briten nie mehr so weit hinten. f1_koba_brazil_blog_k.jpg

 

Buemi - das Zittern geht weiter

Sébastien Buemi hatte auf Regen spekuliert. Das war keine dumme Idee, denn jeder im Fahrerlager rechnete mit einem Regenrennen am Sonntag. Dass es nicht so weit kam, ist typisch für die ganze Buemi-Saison mit all den Pleiten und Pannen, an denen der Schweizer wohl am wenigsten schuld war. Mit einem Regensetup, viel Abtrieb aber wenig Topspeed, hatte der Romand stumpfe Waffen, um in die Punkte zu fahren. «Ich musste meinen Teamkollegen Jaime Alguersuari zweimal überholen lassen, weil der auf einem Trocken-Setup schneller unterwegs war,» sagte er mir nach dem Rennen. Die Leistungen Buemis, sowie die lobenden Worte von Teamchef Franz Tost und Red Bull-Sportchef Helmut Marko stimmen mich zuversichtlich, dass Buemi auch in Melbourne 2012 am Start sein wird.



[3] Kommentare
Permalink


13.11.2011 19:09

  • Currently 4.1/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(9 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Man of the Race - Lewis Hamilton

Es war zwar phänomenal, wie nahe Fernando Alonso dem Sensationssieg mit Ferrari kam. Aber für Hamilton war dieses Wochenende ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, das Wahrheit wurde. Nach dem Hagel von bösen Kritiken, hämischen Kommentaren und meist berechtigten Strafen, nach sämtlichen Diskussionen über seinen Liebeskummer nach der Trennung von Nicole Scherzinger, nach zahlreichen Tipps von Experten, dass nur ein glücklicher Mensch auch ein Sieger sein kann, da fuhr Hamilton seinen dritten Saisonsieg nach Hause. Und alles sieht wieder ganz anders aus. Bei Vettel heisst es immer «nicht vergessen, der ist erst 24.» Aber Hamilton ist erst 26-jährig. Und auch wenn es sich für einen hartgesottenen Rennfahrer nicht schickt, seinen Herzschmerz offen zu zeigen: Es war herzerfrischend, wie er nach dem Sieg seiner Mutter zum Geburtstag gratulierte. Er hat den Tritt wieder gefunden, zumindest auf der Rennstrecke.

 


blog_f1_hamilton_pokal.jpg

 

Sauber - ein vielleicht goldener Punkt

 

Herzerfrischend fuhren auch die beiden Sauber-Piloten. Für Kobayashi war eine Ein-Stopp-Strategie vorgesehen, mit Start auf den harten Reifen. Der Japaner gewann in der ersten Runde 5 Ränge, aber dann bauten die Walzen schnell ab. Schon nach fünf Runden musste gewechselt werden auf Soft - und auf 2 Stopps. Sergio Pérez startete auf Soft etwas zu forsch und traf Sutil mit dem Frontflügel. Dabei brach ein Pylon (die Verbindung zur Fahrzeugnase), worauf der Flügel gewechselt werden musste. Nach Runde 6 lagen die Sauber auf den letzten Plätzen, aber sie arbeiteten sich nach vorne. Kobayashis erster Stopp war der sechstschnellste. Beim zweiten aber fiel eine Radmutter zu Boden, das kostete 3 Sekunden. Danach, mit frischen Reifen, fuhr der Japaner schlagartig zwei Sekunden schneller pro Runde und holte sich den ersten WM-Punkt seit Nürburgring im Juli.


Buemi - hat alles richtig gemacht

 

Er war im 18. Qualifying zum 13. Mal der Schnellere. Er überstand die erste Runde (eine der Schwächen im Vorjahr) problemlos. Er brauchte etwas lange, um an Di Resta vorbei zu kommen. Aber das war mit einem schwächelnden Toro Rosso selbst mit weichen Reifen nicht so einfach. Trotz des Kampfs mit dem Force India hielten seine Reifen länger als jene des Teamkollegen Alguersuari. Buemi war nach den Stopps von Sutil und Schumacher Siebter - da machte ein Hydraulik-Leck seinem Rennen ein Ende. Erst fiel die Servolenkung aus, dann konnte er nicht mehr schalten.

 

blog_f1_buemi_abu.jpg 

Es ist die 9. Episode einer unsäglichen Pechsträhne, die in Silverstone begann. Di Resta schlitzte ihm dort den Hinterreifen auf. Am Nürburgring tankte ihm das Team verunreinigtes Benzin (Rückversetzung auf den letzten Startplatz). Im Rennen kollidierte er mit Heidfeld und kassierte eine umstrittene Strafe für den Ungarn-Grand-Prix. Buemi fuhr in Budapest vom 23. auf den 8. Platz in einem grossartigen Rennen, dann ging die Pechsträhne weiter. In Belgien kollidierte er an 6. Stelle liegend mit Pérez (der einzige Vorfall, bei dem er eine Mitschuld trägt). In Monza verlor er am Start viele Ränge, weil vor ihm der Crash von Liuzzi mit Petrow und Rosberg den Weg blockierte, dazu ging beim Boxenstopp viel Zeit verloren. In Japan löste sich ein Rad nach einem Montagefehler beim Boxenstopp. In Korea schubste ihn Kobayashi am Start von der Strecke, dabei gingen 5 Ränge verloren. In Indien versagte der Motor, und nun in Abu Dhabi die Hydraulik. Diese Fakten sprechen für sich.


...und noch Alonso


Dank seinem ersten Podestplatz in Abu Dhabi  hat er einen Pokal von jeder Strecke, auf der er einen Grand Prix gefahren ist. So sagte er es zumindest, und so steht es geschrieben im offiziellen Ferrari-Communiqué. Aber es stimmt nicht. Mein Assistent Peter Lattmann hat nachgeschlagen und herausgefunden, dass Alonso zweimal auf dem Österreichring gestartet ist, aber nie ins Ziel kam, geschweige denn aufs Podest. 2001 im Minardi und 2003 im Renault. Sorry, Fernando. Aber wir drücken beide Augen zu und sagen's bestimmt nicht weiter.



[4] Kommentare
Permalink


30.10.2011 16:08

  • Currently 4.1/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(7 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Man of the Race - Sebastian Vettel

Ein perfektes Rennen! Vettel stellte sich am besten auf die neue Strecke ein, er gewann die Pole überlegen und dominierte das Rennen nach Belieben. Obwohl er der Schnellste war, konnte er die Reifen so sehr schonen, dass er stets als letzter wechselte. Es war der 1. «Grand Slam» in Vettels Karriere, das heisst Pole, schnellste Runde und Start-Ziel-Sieg. Vettel war so überlegen, dass er in den letzten 2 Runden noch zweimal die schnellste Runde fuhr.

Vettel feiert seinen 11. Saisonsieg.

«Mein Renningenieur warnte, es gebe keine Punkte für die schnellste Runde, aber ich hatte doch nicht einmal besonders stark forciert», sagte Vettel nachher. Und doch fand er ein Haar in der Suppe: «Nur bei den Boxenstopps haben wir Zeit verloren.» Die Krönung war die Pressekonferenz. Mit seinen philosophischen Gedanken zu Indien, mit seinen Worten, dass wir in Europa viel lernen können von den Indern, darüber, wie man glücklich sein kann, auch ohne viel Geld oder Macht zu haben, damit eroberte er die Herzen der Gastgeber im Flug.

 

Sergio Pérez - ein Wagenheber stand im Weg

 

Peter Sauber war leicht säuerlich: «Als Pérez zum Boxenstopp kam, stand bei Force India nebenan noch ein Wagenheber. Pérez musste ausweichen und fuhr prompt über den idealen Haltepunkt hinaus. Die Mechaniker mussten sich neu ausrichten, es gingen rund 3 Sekunden verloren.» Vor dem Stopp hatte Pérez 2 Sekunden Rückstand auf Sutil gehabt. Nicht schwer auszurechnen, was dies bedeutete.

 

Sutil, der eine Runde später auf die harten Reifen wechselte, kam knapp vor Pérez auf die Strecke zurück. In den folgenden Runden jagte Pérez auf weichen Reifen den Deutschen. Einmal kam er sogar vorbei, in Kurve 1, doch der Mexikaner überschoss, und schon war Sutil wieder vor ihm. Sutil wurde 9., Pérez 10. In der Konstrukteure-WM ist der Rückstand gegenüber Force India auf 10 Punkte angewachsen. 10 Punkte, genau so viele, wie man beim Saisonstart verloren hatte, als beide Autos wegen einer Fehlkonstruktion beim Heckflügel disqualifiziert wurden. Plus die 3 Punkte, die Force India wegen des Sauber-Ausschlusses damals erbte. Und trotzdem verleiht der Indien-GP den Hinwilern neuen Schub: Pérez von 20 auf 10, Sutil von 8 auf 9, im Rennen war Sauber Force India klar überlegen. Und Toro Rosso hat man in der WM immer noch hinter sich.

 

Der Leidtragende ist Buemi

 

Der Schweizer fuhr erneut ein hervorragendes Rennen, vom Start einmal abgesehen, als er 3 Ränge an Michael Schumacher, Bruno Senna und seinen Teamkollegen Jaime Alguersuari verlor. Gemeinsam arbeiteten sich die beiden in die Punkteränge zurück, ehe Buemis Motor hochging. Nach dem Boxenflop von Suzuka, als ein Rad nicht richtig befestigt war, ist dies der 2. unverschuldete Ausfall in 3 Rennen. Dazu kommt Pech, wie in Monza und Korea, als er jeweils am Start von Kobayashi angeschoben wurde.

 

Buemi schied beim GP von Indien aus.  

 

Trotzdem fuhr er in Monza und Korea in die Punkte. Die Resultate von Buemi widerspiegeln nicht seine Leistung, aber das weiss zum Glück auch Helmut Marko, der Red Bull-Sportchef. Und er entscheidet letztlich, wer bei Toro Rosso im Cockpit sitzt.

 

Massa - Hamilton

 

Und wieder hat's gekracht! Nach dem Motto: Wenn zwei sich streiten, freuen sich die Teamkollegen und die Konkurrenz. Welche Ironie: Massa war zuletzt in Monaco ausgefallen (Unfall als Folge einer Kollision mit Hamilton), danach holte er in jedem Rennen Punkte. Das war neben Vettel und Webber die längste Punkteserie dieses Jahres. Nun ging sie zu Ende, nach einem Aufhängungsschaden, der wohl wieder auf eine Kollision mit Hamilton zurückzuführen war.

 

Monaco, Singapur, zweimal wurde Hamilton bestraft. In Suzuka lieferten sich die beiden einen hochstehenden Kampf, für einmal ohne Strafen. Diesmal erhielt Massa eine Drive-Through-Strafe, völlig zu Recht. Und dass es sich nicht lohnt, die hohen orangen Randsteine zu überfahren (ganz besonders im Rennen nicht), hätte Massa vom Qualifying her eigentlich wissen sollen.



[4] Kommentare
Permalink


27.10.2011 14:09

  • Currently 3.8/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(4 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Circuit von Indien: Ein architektonisches Bijou

Architektonisch ist die Strecke in Noida (Abkürzung für New Okhla Industrial Development Authority) ein Bijou, auch wenn grosse Teile erst vor kurzer Zeit fertiggestellt wurden und deshalb noch ziemlich im Rohbau erscheinen.

Die Haupttribüne ist gigantisch - und im Vergleich sieht der neue «Wing»-Komplex von Silverstone schon wieder fast bescheiden aus.

Die Strecke könnte zu einem Highlight werden, denn sie ist nicht nur sehr schnell, sondern auch anspruchsvoll.

f1_india_tribune_blog_k.jpg

 

Novum: Verbreiterte Anbremszonen

Strecken-Architekt Hermann Tilke hat eine interessante Neuerung eingebaut: Verbreiterte Anbremszonen vor den langsamen Kurven. In den Kurven 3, 4 und 16 verbreitert sich die Strecke auf den Scheitelpunkt hin. Michael Schumacher: «Das wird sehr interessant. Bislang konzentrierten wir uns darauf, die Ideallinie zu verteidigen, nun gibt's plötzlich mehrere mögliche Linien.» 

f1_india01_blog.jpg

Der erste Streckenteil gleicht ansonsten ein wenig dem Yeongam-Circuit in Korea. 3 langsame Kurven, dazwischen Vollgaspassagen. Die beiden DRS-Zonen, wo im Rennen der Heckflügel hochgeklappt werden darf, befinden sich auf der Start-Ziel-Geraden sowie auf der über 1 Kilometer langen Gegengeraden. Davor und danach befinden sich Kurven, die mit 70 bis 90 km/h durchfahren werden, also ideal zum Überholen.

Ab Kurve 5 folgt ein fahrerisch sehr reizvoller Abschnitt. Zuerst eine schnelle Doppel-Linkskurve, dann ein ebenfalls sehr schnelles «S» (rechts-links). Highlight ist der leicht überhöhte 220 Grad-Rechtsbogen in Kurve 10, die nach dem Scheitelpunkt leicht öffnet und sich dann zu Kurve 11 wieder verengt. Ähnlich wie die Spoon in Suzuka, nur seitenverkehrt.

f1_india03_blog.jpg 

Schnellste Strecke nach Monza?

Es folgt noch ein schnelles «S», links-rechts, und dann, nach einer Kuppe, die 15, die nach aussen ein wenig abfällt. Die Strecke soll die zweitschnellste nach Monza sein. Ob das stimmt, erfahren wir erst am Wochenende.

Simulationen ergaben Rundenzeiten zwischen 1:26 Minuten (214,5 km/h) und 1:29 (207,3).

f1_india02_blog.jpg



[3] Kommentare
Permalink


16.10.2011 14:52

  • Currently 3.5/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(11 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Man of the Race - Jaime Alguersuari

Selbst mit der roten Brille mit weissem Kreuz in der Mitte, daran komme ich nicht vorbei. Jaime Alguersuari, Toro Rosso-Pilot und Hobby-DJ, stürmte nach vorn wie sein Album «Organic Life» in den iTunes-Charts in Spanien (Nr. 1) und im Vereinigten Königreich (Nr. 5). Nach dem Start hatte er noch einen Rang an Schumacher verloren, doch dann ebnete ihm Petrow den Weg, bzw. räumte Schumacher aus dem Feld. Die Force India von Di Resta und Sutil waren eine leichte Beute. In sieben Runden hatte Alguersuari die vor ihm gestarteten Inder geschnappt, und sie kamen ihm nie mehr nahe.

Das Aerodynamik-Update mit dem neuen Unterboden und Auspuff war in Suzuka nur teilweise im Einsatz gewesen, weil der Auspuff im Training gebrochen war. In Korea, mit verstärkten Auspuffrohren, funktionierte das Paket perfekt. Als Sahnehäubchen flog Alguersuari in der letzten Runde an Rosberg vorbei, Toro Rosso war heute vierte Kraft hinter Red Bull, McLaren und Ferrari!

Sébastien Buemi - stark, aber doch im Schatten

Der Schweizer hätte genauso gut in der Rolle von Alguersuari sein können. Dass ihm das nicht gelang, liegt am Qualifying. Dort hatte er einen kleinen Patzer, das kostete 2/10 oder 2 Ränge in der Startaufstellung. Beim Start kam er gut weg, zog hinter Alguersuari mit. Links war Kobayashi, und mit dem kam's wieder einmal zu einer Berührung in Kurve 1. Buemi rutschte leicht neben die Strecke. Weil er dabei den Boxenstopp-Tempomat berührte, hatte er kurz keinen Vortrieb und fiel auch noch hinter die beiden Williams und Kovalainen auf Platz 17 zurück.

Der Schweizer fuhr die gleiche Pace wie Alguersuari, fuhr Kreise um die Williams und Force India, aber das, was er am Start auf den spanischen Teamkollegen verloren hatte, war nicht mehr aufzuholen. Buemi fuhr hinter Vettel, Webber und Hamilton die viertschnellste Runde des Rennens und wurde vom Team gefeiert, aber natürlich schmeckt das etwas bitter, wenn der Teamkollege Man of the Race wird.

Nach diesen Leistungen müsste es der sportlichen Leitung von Toro Rosso leichter fallen, beide Piloten für 2012 zu bestätigen. Auch Stimmen aus dem Team würden sich dies wünschen.

MichaelStaeuble_BLOG.jpg

Sauber - erschreckend

Bei Sauber ging gar nichts. 0 Punkte, P15 und 16. Ausgerechnet das bisherige Reifenschoner-Team brauchte 3 Stopps, alle andern kamen mit zwei durch, «Der rechte Vorderreifen überhitzte massiv, schon nach kurzer Zeit begann er sich aufzulösen», erklärte Beat Zehnder. Kobayashi lädierte beim Startduell mit Buemi seinen Frontflügel auf der rechten, dann mit Senna auf der linken Seite.

Der zweite Stopp wurde vorgezogen, um den Flügel zu tauschen. Aber auch ohne dies wären Punkte ausser Reichweite gewesen. Bei Pérez sah es nach dem zweiten Stopp so aus, als ob er gegen Sutil um Platz 11 kämpfen könnte. Doch das Strohfeuer dauerte 2 schnelle Runden lang, dann musste Pérez den Deutschen ziehen lassen. Eine Runde vor Schluss musste der Mexikaner nochmals Reifen wechseln, um überhaupt ins Ziel zu kommen. Force India ist mit 9 Punkten Vorsprung noch einholbar, aber die Ueberflieger von Toro Rosso sind nur noch 3 Punkte hinter Sauber.

Duell des Tages: Webber vs. Hamilton

Soll mir noch einer etwas gegen Hamilton sagen. Er und Webber boten die beste Unterhaltung des Rennens mit ihrem Zweikampf übers ganze Rennen hinweg. Highlight war das Rad-an-Rad-Duell über mehrere Kurven. Dass Hamilton und Webber die Hauptdarsteller sind, ist kein Zufall. Beide haben uns in diesem Jahr schon manche Show geboten. Diesmal alles ganz fair und ohne Nachtreten vor den Mikrophonen. Und es soll jetzt auch keiner sagen, dass bei diesem Zweikampf etwas mehr Härte möglich gewesen wäre. Hamilton ist ein gebranntes Kind...



[4] Kommentare
Permalink


10.10.2011 08:25

  • Currently 3.5/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(13 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Sebastian Vettel - überlegener, hochverdienter Weltmeister

Er war der Beste. Und er sass nicht in jedem Rennen im besten Auto. Sonst wäre Webber weiter vorne in der WM. Vettel hätte die Krönung gerne mit einem Sieg gefeiert, das sagten alle, sogar sein Teamchef. Aber ob es wirklich so ist? Beim Interview hatte ich den Eindruck nicht. Der Titel war wichtiger als alles andere. Auch wenn er nur noch einen Punkt dazu benötigt hatte, es war doch eine Riesenlast, die von seinen Schultern fiel, und als er die Interviews gab, den Dutzenden von TV-Stationen, da strahlte er in jede Kamera und genoss es sichtlich, von diesem Erfolg zu sprechen. Ich brauchte nicht zu fragen, wie er sich fühlt, es war spürbar, in jeder seiner Gesten: Es ist geschafft.
Seine Tränen nach der Zieldurchfahrt, seine Interviews, seine Freude, das zeigt, dass er trotz seiner Erfolge er selbst geblieben ist, mit beiden Füssen auf dem Boden. Wie sein Vater Norbert. Der kam irgendwann fast verlegen wirkend, um seinen Sohn zu umarmen, während des Interview-Marathons, nachdem Sebastian schon einhundert Hände geschüttelt hatte. Norbert Vettel hält sich lieber im Hintergrund. Sein Sohn aber bewegt sich im Scheinwerferlicht inzwischen beinahe so geschickt wie am Lenkrad.

f1_vettel_button_blog.jpg

Jenson Button - Big in Japan

Die Attacke von Vettel nach dem Start war grenzwertig. Das fand nicht nur Jenson Button, aber die Kommissäre schritten nicht ein. Doch Button erkämpfte sich die Gerechtigkeit und den dritten Saisonsieg. Den vielleicht schönsten, denn jetzt hat er in seiner zweiten Heimat gewonnen. In seiner ersten, Grossbritannien, steht das noch aus. Wenn die Saison in Suzuka begonnen hätte, wäre das noch ein spannender Zweikampf geworden gegen Vettel. In jedem Fall ist dies ein Versprechen fürs nächste Jahr. Dies ist der beste Button, den ich je gesehen habe. Deutlich besser als der Doppeldiffusor-Weltmeister von 2009. Wenn Button und McLaren diese Form über den Winter bewahren können, dann ist Vettel ernsthaft gefordert.

Gute Nachrichten und Spässe bei Sauber

Kamui Kobayashi verlor das Rennen beim Start. Dafür sprang Sergio Pérez mit einer tadellosen Leistung in die Bresche. 8. Rang, 4 Punkte, Sauber war in Suzuka klar stärker als Force India. Pérez konnte erneut die Reifen schonen, kam mit 2 Stopps aus, und war trotzdem sehr schnell und konstant. Was er nicht schonte, waren die Nerven der Teamleitung. Eine halbe Runde vor Schluss funkte er: «Mein Motor verliert Power!» Peter Sauber und Monisha Kaltenborn waren geschockt. Was sie nicht hörten, war Teammanager Beat Zehnder, der sagte: «Das ist ein Scherz! Das Spielchen hat er schon in der GP2 getrieben, einmal sogar, als er in Führung lag.» Kurz vor dem Ziel kam die Bestätigung von Pérez: «Es war ein Scherz.»
Peter Sauber fand's gar nicht lustig. Die Erinnerung der Ausfälle von Monza ist noch zu frisch. Beat Zehnder aber revanchierte sich. Nach der Zieldurchfahrt fragte Pérez: «Wo ist Kamui?» Antwort: «Er ist vierter!» Pérez schrie: «Was, wie hat er das gemacht?!» Es gibt nichts Schlimmeres, als vom Teamkollegen geschlagen zu werden. Doch auch dies war ja (leider, aus Sauber-Sicht) nur ein Scherz.

f1_perez_japan_blog.jpg

Kein Scherz aber ist, dass Sergio Pérez beinahe die schnellste Rennrunde gefahren wäre: In Runde 39 fuhr der Mexikaner 1.36.569, das war zu jenem Zeitpunkt die schnellste Rennrunde. Zugegeben, auf frischen, weichen Reifen. Aber: Pérez hatte noch Benzin für 15 Runden an Bord, das sind rund 40 kg. Das entspricht einem Gewichtshandicap von deutlich mehr als einer Sekunde pro Runde auf Jenson Button, der ihm die Bestzeit in der zweitletzten Runde noch abjagte. Um eine winzige Tausendstelsekunde!



[4] Kommentare
Permalink


8.10.2011 13:06

  • Currently 4.2/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(13 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Der Geniestreich des Sauber-Teams

Es brauchte eine grandiose Runde von Kamui Kobayashi im zweiten Qualifying-Abschnitt, um den Sprung ins Finale zu schaffen. Das war nur möglich, weil der Japaner offenbar fähig ist, genau dann seine Bestleistung abzurufen, wenn er unter grossem Druck steht. Und das stand er, denn ganz Japan hatte auf einen Exploit seines Helden Kamui gehofft.

Nicht gepokert - gewusst


Im Finale spielte das Team Schach, liess Kamui Kobayashi mit harten Reifen schon früh auf die Strecke fahren. Der Japaner startete eine Outlap, fuhr über die Start-Ziel-Linie auf eine fliegende Runde, doch er vollendete sie nicht sondern kehrte an die Box zurück. Dann wartete das Sauber-Team ab, was die Konkurrenz tat. «War das Absicht?», fragte ich Team-Manager Beat Zehnder. Er schmunzelte. Was für eine Frage! Sie zu stellen heisst, dieses taktische Genie zu unterschätzen. Zehnder kennt das Reglement wie kaum ein anderer in der Formel 1, inklusive Schlupflöcher. Aber bescheiden sagte er: «Das war eine Teamentscheidung.»

f1_zehnderblog.jpg

Die Red Bull, McLaren und Ferrari fochten ihren Kampf um die Pole aus.Dahinter warteten Michael Schumacher, Bruno Senna und Witali Petrow zu, sie wollten Reifen fürs Rennen sparen und dachten, es würde genügen, eine angebrochene Runde zu fahren, wie dies Kobayashi getan hatte. Wären nämlich alle vier gleich gewertet worden, hätte die Startnummer über die Reihenfolge entschieden. Auch die Zeitmessung war so programmiert, also kam die Reihenfolge zustande, 7. Schumacher, 8. Senna, 9. Petrow, 10. Kobayashi.

Das Reglement ist eindeutig

Artikel 36.2b des sportlichen Reglements sagt: Wenn mehrere Fahrere keine gültige Zeit aufweisen, wird die Reihenfolge so bestimmt: 1. Der Fahrer, der den Versuch unternommen hat, eine Qualizeit hinzulegen, in dem er eine fliegende Runde begonnen hat (Kobayashi), 2. Jene Fahrer, die es nicht geschafft haben, eine fliegende Runde zu beginnen (Schumacher, Senna und Petrow), 3. Jene Fahrer, die es nicht geschafft haben, die Boxengasse zu verlassen. Kobayashi hatte bei seiner Ausfahrt sehr wohl die Start-Ziel-Linie überfahren, um eine fliegende Runde zu starten. Dass er diese nicht vollendete, spielt keine Rolle. Schumacher, Senna und Petrow fuhren aber so spät los, dass sie bei der Start-Ziel-Linie bereits mit der Zielflagge abgewunken wurden.

Der Fall ist also klar: Kamui Kobayashi fährt am Sonntag von der siebten Startposition los. Das ist der beste Startplatz seiner Karriere und der beste eines Sauber-Piloten seit dem BMW-Ausstieg 2009. Dank des Geniestreichs von Beat Zehnder.






[5] Kommentare
Permalink


25.9.2011 18:53

  • Currently 4.3/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(6 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Man of the Race - Sebastian Vettel

Sebastian Vettel hat den ersten Singapur-Sieg geschafft und den Weltmeistertitel im Griff. Mit einem derart überlegenen Sieg muss er einfach Man of the Race sein. Pole und Start-Ziel-Sieg, nur die schnellste Runde gelang Vettel nicht, die fuhr Jenson Button in seinem Schluss-Furioso.

 

In Singapur zum ersten Mal als Sieger: Sebastian Vettel.

Doch von einem Finale wie in Kanada, als Button Vettel in der letzten Runde in den entscheidenden Fehler hetzte, waren wir weit entfernt. Vettel ist nicht der Typ, der sich selbst überschätzt. Deshalb glaube ich ihm auch sofort seine Aussage im Interview nach dem Rennen: «Ich fühlte mich nie in Gefahr, den Sieg noch abzugeben. Als Jenson neue Reifen holte, hätte ich mit meinen noch locker weiterfahren können, doch es schien uns sicherer, ebenfalls Reifen zu wechseln.»

Wenn man Vettel etwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass er nicht gerade für Spannung gesorgt hat. Aber das ist ja auch nicht sein Job. Den hat er heute perfekt gemacht. Wie er nach dem Start allen davon eilte, auf einer Strecke, die keine Fehler verzeiht. Wie er nach der Safety-Car-Phase und dem Verlust des ganzen riesigen Vorsprungs wieder wegzog, das war einfach grosse Klasse.

Beste Hauptdarsteller - Lewis Hamilton und Mark Webber

Ohne die beiden hätten wir uns ziemlich gelangweilt. Lewis Hamilton hatte Pech am Start. Vor ihm kam Webber nicht gut weg, doch als er innen überholen wollte, schlug der Australier die Tür zu, während aussenrum beide Ferrari und beide Mercedes (Rosberg über die Auslaufzone) an ihm vorbei zogen.

Schonungslos deckte er auf, dass Mercedes auch am Ende des 2. Jahres noch meilenweit von Siegträumen entfernt ist. Dann war er gegen Massa etwas ungeschickt. Die Strafe war richtig, Hamilton hatte das Auto nicht mehr unter Kontrolle, als er den Hinterreifen des Brasilianers aufschlitzte.

Nur: Massa verlor bei seiner Dreirad-Fahrt zurück zur Box wesentlich mehr Zeit als Hamilton beim Reparaturstopp und Durchfahrstrafe. Hamiltons Aufholjagden wurden nur noch übertroffen durch die zwei Ueberholmanöver von Mark Webber gegen Fernando Alonso.

Die Abenteuer des Sergio Pérez

Das Sauber-Team gewann einen Punkt, über den sich der Teamchef kaum freute. Vor allem, weil Force India 12 holte. Sergio Pérez freute sich schon eher, denn sein Konto erhöht sich von 8 auf 9. Dass der Mexikaner überhaupt ins Ziel kam, grenzt an ein Wunder, bei all den Abenteuern.

Zuerst Rosberg, der in der schnellen Zielkurve von der Linie abkam. Pérez nutzte die Gelegenheit und überholte. Aber Rosberg kam bis Kurve 1 mit den Vorderrädern auf die Höhe von Pérez' Hinterrädern. Für zwei Boliden war kein Platz. Nach einer Berührung rutschte Pérez von der Strecke. Die Stewards untersuchten, Strafe gab's keine. Das fand ich korrekt.

Sauber-Pilot Sergio Pérez. 

Nur eine Runde später kam Schumacher. Zwischen Kurve 7 und 8 rammte er Pérez so heftig, dass er in die nächste Abschrankung flog. Schumacher: «Ich dachte, er fährt auf der Ideallinie weiter nach links, so wollte ich rechts vorbei. Doch er blieb rechts und bremste plötzlich sehr früh.»

Pérez verteidigte einzig seine Position, ohne die Fahrrichtung zu ändern. Dass er innen, auf der schmutzigen Seite, früher bremsen muss als auf der Ideallinie, sollte auch Schumacher einleuchten. Die Kommissäre waren sehr milde, es gab nur eine Verwarnung. Wenn Buemi wegen des Heidfeld-Crashes am Nürburgring um 5 Plätze strafversetzt wird, dann ist das Schumacher-Urteil völlig inkonsequent.

Nach der Safety-Car-Phase stiess Pérez übrigens noch mit dem überrundeten Senna zusammen. Das Team hatte Senna informiert, Pérez und er seien in der gleichen Runde. Hier gab's eine Strafe fürs Team: Eine Busse über 7'500 Euro.

Sébastien Buemi

Was sollte der Schweizer nach diesem Rennen sagen? Er hatte das Maximum herausgeholt. Hätte das Rennen etwas länger gedauert, wäre er auch noch an Maldonado vorbei gekommen, doch die Sauber und Force India waren einfach zu schnell. Toro Rosso fuhr mit wenig Abtrieb. Das ergab einen tollen Topspeed, aber Zeitverlust über die ganze Runde. Punkte wären nur bei weiteren Ausfällen im vorderen Feld möglich gewesen. In Suzuka sollten Buemi (und auch die Sauber) wieder etwas besser aussehen.



[2] Kommentare
Permalink


22.9.2011 16:15

  • Currently 3.7/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

(3 Stimmen)

bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
bookmark bookmark bookmark bookmark bookmark
 

Vettel ohne Risiko dem Titel entgegen

Sebastian Vettel hat auch heute nochmals klargemacht: «Wir haben bis jetzt noch nichts gewonnen. Ich will den Titel gewinnen und dafür arbeiten wir hart. Es ist aber nicht das Ziel, an diesem Wochenende den Titel zu gewinnen.» Rechnereien und Spekulationen seien nicht sein Ding. Aber der Titelverteidiger gestand ein, dass er in der jetzigen Situation das Risiko etwas dosiere, wenn es eng wird. Der Titel ist wichtiger als der Sieg im Rennen.

 

 

f1_vettel_kopf_stqr.jpg 

Sagen wir's aber offen: Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Vettel den Titel noch verlieren würde. Selbst, wenn er in den verbleibenden 6 Rennen keinen einzigen Punkt holt.

 

Glocks Risiko-Wette

 

Timo Glock sagte: «Ich habe darauf gewettet, dass Sebastian hier in Singapur den Titel gewinnt.» Ich denke, Timo wird die Wette verlieren, Vettel holt den Titel wahrscheinlich erst in Suzuka.

 

Hier in Singapur wäre Vettel auf die Hilfe von Lewis Hamilton angewiesen.

 

Gewinnen muss Vettel, sonst ist die Entscheidung so oder so vertagt. Denn es ist undenkbar, dass keiner seiner 3 WM-Verfolger Alonso, Button oder Webber auf einen der ersten 4 Plätze kommt. Gewinnt Vettel vor Hamilton - und dahinter wird Button oder Webber Dritter und Alonso Vierter - dann ist Vettel Weltmeister.

 

38 Punkte genügen

 

Vettel mag sagen, es sei ihm egal, wann er den Titel holt. Ich glaube, er will ihn trotzdem so schnell wie möglich, damit er nachher nicht mehr taktieren muss und unbeschwert auf Sieg fahren kann.

 

Doch im Grunde kann er das schon jetzt.

 

Er hat ein Auto, mit dem er siegen kann. Aber selbst wenn Alonso alle verbleibenden 6 Rennen gewinnen sollte, würden dem Deutschen 38 Punkte genügen. Das sind gut 6 Punkte pro Rennen, etwas mehr als ein siebter Platz im Schnitt.

 

Der alte und neue Weltmeister machte heute übrigens eine interessante Aussage zum Monza-Duell Schumacher gegen Hamilton: «Ich sah das Rennen auf Video und ein Manöver war wohl ein bisschen zu viel. Ich weiss nicht, ob Michael ihn sah oder nicht, aber als Lewis in der Curva Grande innen angriff, da schaute es so aus, als ob Michael ihn nicht gesehen hätte. Also musste Lewis auf die Wiese ausweichen.»



[2] Kommentare
Permalink


Beiträge 335 - 326 / 335