Sebastian Vettel - überlegener, hochverdienter Weltmeister
Er war der Beste. Und er sass nicht in jedem Rennen im besten Auto. Sonst wäre Webber weiter vorne in der WM. Vettel hätte die Krönung gerne mit einem Sieg gefeiert, das sagten alle, sogar sein Teamchef. Aber ob es wirklich so ist? Beim Interview hatte ich den Eindruck nicht. Der Titel war wichtiger als alles andere. Auch wenn er nur noch einen Punkt dazu benötigt hatte, es war doch eine Riesenlast, die von seinen Schultern fiel, und als er die Interviews gab, den Dutzenden von TV-Stationen, da strahlte er in jede Kamera und genoss es sichtlich, von diesem Erfolg zu sprechen. Ich brauchte nicht zu fragen, wie er sich fühlt, es war spürbar, in jeder seiner Gesten: Es ist geschafft.
Seine Tränen nach der Zieldurchfahrt, seine Interviews, seine Freude, das zeigt, dass er trotz seiner Erfolge er selbst geblieben ist, mit beiden Füssen auf dem Boden. Wie sein Vater Norbert. Der kam irgendwann fast verlegen wirkend, um seinen Sohn zu umarmen, während des Interview-Marathons, nachdem Sebastian schon einhundert Hände geschüttelt hatte. Norbert Vettel hält sich lieber im Hintergrund. Sein Sohn aber bewegt sich im Scheinwerferlicht inzwischen beinahe so geschickt wie am Lenkrad.

Jenson Button - Big in Japan
Die Attacke von Vettel nach dem Start war grenzwertig. Das fand nicht nur Jenson Button, aber die Kommissäre schritten nicht ein. Doch Button erkämpfte sich die Gerechtigkeit und den dritten Saisonsieg. Den vielleicht schönsten, denn jetzt hat er in seiner zweiten Heimat gewonnen. In seiner ersten, Grossbritannien, steht das noch aus. Wenn die Saison in Suzuka begonnen hätte, wäre das noch ein spannender Zweikampf geworden gegen Vettel. In jedem Fall ist dies ein Versprechen fürs nächste Jahr. Dies ist der beste Button, den ich je gesehen habe. Deutlich besser als der Doppeldiffusor-Weltmeister von 2009. Wenn Button und McLaren diese Form über den Winter bewahren können, dann ist Vettel ernsthaft gefordert.
Gute Nachrichten und Spässe bei Sauber
Kamui Kobayashi verlor das Rennen beim Start. Dafür sprang Sergio Pérez mit einer tadellosen Leistung in die Bresche. 8. Rang, 4 Punkte, Sauber war in Suzuka klar stärker als Force India. Pérez konnte erneut die Reifen schonen, kam mit 2 Stopps aus, und war trotzdem sehr schnell und konstant. Was er nicht schonte, waren die Nerven der Teamleitung. Eine halbe Runde vor Schluss funkte er: «Mein Motor verliert Power!» Peter Sauber und Monisha Kaltenborn waren geschockt. Was sie nicht hörten, war Teammanager Beat Zehnder, der sagte: «Das ist ein Scherz! Das Spielchen hat er schon in der GP2 getrieben, einmal sogar, als er in Führung lag.» Kurz vor dem Ziel kam die Bestätigung von Pérez: «Es war ein Scherz.»
Peter Sauber fand's gar nicht lustig. Die Erinnerung der Ausfälle von Monza ist noch zu frisch. Beat Zehnder aber revanchierte sich. Nach der Zieldurchfahrt fragte Pérez: «Wo ist Kamui?» Antwort: «Er ist vierter!» Pérez schrie: «Was, wie hat er das gemacht?!» Es gibt nichts Schlimmeres, als vom Teamkollegen geschlagen zu werden. Doch auch dies war ja (leider, aus Sauber-Sicht) nur ein Scherz.

Kein Scherz aber ist, dass Sergio Pérez beinahe die schnellste Rennrunde gefahren wäre: In Runde 39 fuhr der Mexikaner 1.36.569, das war zu jenem Zeitpunkt die schnellste Rennrunde. Zugegeben, auf frischen, weichen Reifen. Aber: Pérez hatte noch Benzin für 15 Runden an Bord, das sind rund 40 kg. Das entspricht einem Gewichtshandicap von deutlich mehr als einer Sekunde pro Runde auf Jenson Button, der ihm die Bestzeit in der zweitletzten Runde noch abjagte. Um eine winzige Tausendstelsekunde!
Auch wenn er nicht in jedem Rennen das beste Auto haben, zusammenfassend muss man doch sagen, dass Vettel der logische Weltmeister ist. In der 1. Saisonhälfte konnte dem RB7 keiner das Wasser reichen, was auch die Serie an Podestplätzen erklärt. In der 2. Saisonhälfte kamen Ferrari und McLaren näher, aber dennoch blieb der RB7 immer mindestens auf Augenhöhe mit den Konkurrenten.
Gutes Rennen von Button, es hat sich in den Trainings abgezeichnet, dass er weit vorne sein wird. Auch in der Quali (nur 0,009 hinter P1).
Starkes Rennen auch von Pérez, von Kobayashi bin ich ein wenig enttäuscht, aber dieser schlechte Start hat ihm alles was er am Tag zuvor (auch dank des (Genie-)Streichs von Zehnder) geschafft hat, P7, versaut.
Andri
Das war wirklich ein starker auftritt von Pérez von
startplatz 17 auf Rang 8! Das zeigt das das neue
Aero-Paket gut funktioniert. Schön waren auch die
Überholer der beiden Sauber in der Haarnadel Kurve :-)
so sieht Motorsport aus, es geht auch Ohne diesen
DRS-Müll. Schade auch um Kobayashi's tollen Startplatz.
Ich glaube wenn mann ihn, als er aus den Punkten viel
(das war so ca 6-7 Runden vor Schluss) reingeholt hätte,
dann währe er trotz Boxenstop mit neuen Soft wider in die
Punkte gekommen. Zu dem zeitpunkt waren die Rundenzeiten
bei 1.38 - 1.40 und dann dem Kobayash's Qalizeit von
1.32xx gegenüber stellt! Verloren hätte man nichts,
nur gewinnen hätte man können, mit einer tolle aufholjagt
vom Japaner und mit 1-2 Punkten.
Aber da hilft kein "hätte währe wenn"
schauen wir vorwärz und freuen uns auf den GP von Korea.
Honda Fan
Sebastian Vettel kann man nur gratulieren. Alle Fehler, welche er sich letztes Jahr noch leistete, machte er dieses Jahr kein zweites Mal.
Rookie of the Race ist Perez, was er wieder gezeigt hat, beweisst, dass er mehr als nur ein "Pay-Driver" ist. Bei Kobayashi funktionierte die Elektronik beim Start nicht richtig und ging in den sog. Stall-Modus. Also kein Fehler des Japaners (oder kann dies vom Fahrer gedrückt werden?). Schade, die Punkte hätte das Team dringend brauchen können. Aber schon an diesem Wochenende ist die nächste Chance da, Force India abzufangen.
Tip an Beat Zehnder .. diesmal das Q2 mit beiden Fahrern nicht bestreiten - dann reichts für beide in die Punkte ;-)
Thom
Allgemin guter Blog-Eintrag und ich würde dies alles unterschreiben. Aber das Buemi jetzt nicht mal im Blog erwähnt wird (dass er im Rennen kaum erwähnt wird, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt), finde ich langsam schon sehr, sehr krass. Versteh das nicht. So viele F1 Fahrer haben wir Schweizer ja nicht ... und ich finde, sein Start (wieder einmal der beste Starter im Feld - von 15 auf 11) hätte es verdient erwähnt zu werden. Und nach wenigen Runden war er in den Punkten und vor dem besten Sauber und klar schneller. Wenn die Boxencrew dann nicht wieder mal geschlampt hätte, wäre Buemi sicher irgendwo zwischen 7 und 9 angekommen. Und somit hätte er Alguasuari - denn er in den letzten zwei Rennen wieder ganz klar im Griff hatte - in der WM Wertung wieder überholt. Ich wiederhole mich: Aber ein bisschen mehr Buemi wäre wirklich schön. Es muss ja nicht grad wie bei RTL sein wo es nur um die Deutschen geht, aber ... Sie wissen schon. Buemi braucht unsere Unterstützung, sonst haben wir nächstes Jahr wieder für viele Jahre keinen Schweizer F1 Pilot und sicher nicht den erfolgreichsten seit Clay ... (knapp 30 Jahre ...)
pam
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