Buemi war vielleicht zu leise
Es ist paradox: Vor einem Jahr war Sébastien Buemi trotz mässiger
Leistungen noch vor dem Saisonende als Toro Rosso-Stammfahrer für 2011
bestätigt worden. Jetzt wird er ausgemustert, obwohl er gewaltige
Fortschritte gemacht hat. Im fahrerischen, technischen, körperlichen,
und vor allem im mentalen Bereich.
Vor einem Jahr hätte ich Buemi kaum zugetraut, dass er noch eine ganze
Saison bei Toro Rosso fahren würde. Doch dank seiner
Leistungssteigerung setzte er sich durch. Obwohl der Druck auf den
Romand beinahe unerträglich war. Buemi ertrug alles mit einer Coolness,
die bemerkenswert ist. Selbst in der Pannenserie der zweiten
Saisonhälfte mit taktischen Fehlern des Teams, Benzinschlamperei,
Versagen der Mechaniker beim Boxenstopp, Motorschaden,
Hydraulikschaden, reihenweise Ausfälle ohne eigene Schuld, selbst da
hörte ich nie ein böses Wort von Buemi gegen das Team.
Beim Team sehr beliebt
Die Loyalität wurde nicht belohnt. Vielleicht hätte er öfter mal etwas deutlicher werden sollen. Aber Buemi ist nicht der Typ dazu. Er konzentriert sich auf seine Leistung, steht mit beiden Füssen auf dem Boden. Mit ihm zusammenzuarbeiten war für mich ein Genuss. Buemi war stets offen, auskunftsfreudig, engagiert, gut informiert. Eine Bereicherung, auch für das Team. Das dankten ihm auch viele Toro Rosso-Mitarbeiter. Einige sagten mir, sie wünschten sich, dass Buemi bleibt. Der Red Bull-Sportverantwortliche Helmut Marko, der letztlich über das Schicksal der Fahrer entscheidet, sah es anders.
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Die neuen
Toro Rosso-Piloten unterschieden sich von Buemi. Sie sind vor allem
lauter. Jean-Eric Vergne sagte schon in Abu Dhabi nach seinem
Freitagmorgen-Testeinsatz: «Mein Ziel ist der WM-Titel, und was Webber
kann, kann ich schon längst». Und Daniel Ricciardo ist ein Strahlemann,
der aber bei HRT gegen Vitantonio Liuzzi (auch ein geschasster Toro
Rosso-Pilot) einen sehr schweren Stand hatte.
Kein freies Red-Bull-Cockpit
«3 Lehrjahre im Juniorteam sind genug», lautet die Begründung von
Teamchef Franz Tost. Das leuchtet ein. Tost hatte mir 2009 beim
Buemi-Début in Melbourne gesagt: «Sein erstes Jahr gilt der Ausbildung,
im zweiten soll er regelmässig punkten, und im dritten wird er ein
Siegfahrer.» Der Plan war also ein Wechsel zu Red Bull nach zwei Jahren.
Doch im Schicksalsjahr 2010 war erstens der Toro Rosso nicht
konkurrenzfähig und zweitens Buemis zweite Saisonhälfte ungenügend.
2011 haben Buemi und Alguersuari sich im Gleichschritt massiv
verbessert, aber durch Webbers Vertragsverlängerung im August war der
Aufzug nach oben besetzt. Vettel ist bis 2014 fix, also wäre ohnehin nur
einer in Frage gekommen. Man ersparte sich die Qual der Wahl, so
mussten beide gehen.
Ernüchternde Bilanz
Für das Red Bull-Juniorprogramm ist das kein Ruhmesblatt. Die Liste der
in der Formel 1 gescheiterten Red-Bull-Junioren: Enrique Bernoldi,
Christian Klien, Scott Speed, Sébastien Bourdais, Vitantonio Liuzzi,
sowie jetzt Buemi und Alguersuari. Auf der «Plus-Liste» steht einzig
Sebastian Vettel, der zweifache Red-Bull-Weltmeister. Und selbst er
wäre Red Bull beinahe abgesprungen, er war für BMW-Sauber bereit. Zum
Glück für Red Bull entschied man sich in Hinwil und München gegen
Vettel.
Ich bin gespannt, ob Ricciardo und Vergne das Zeug haben, um die «Plus-Liste» der Red Bull-Junioren zu verlängern.
Herzlichen Dank für diese Worte. Die tun gut, nachdem mir die Lust an F1 für 2012 nach dem Rauswurf von Buemi ziemlich vergangen ist.
Aber meine Kritik an Sie, ans SF Team: Ihr wart auch zu leise! Die Leistungen von Buemi wurden selten so gewürdigt wie in diesen Zeilen. Während den Rennen konnte Buemi einen Konkurrenten nach dem anderen überholen, doch wurde dies kaum erwähnt. Und das gilt auch für die ganze Schweiz. Buemi bekam kaum Unterstützung von uns, obwohl er der beste Schweizer F1 Pilot seit 3 Jahrzehnten war (und leider aktuell auch der einzige). Ich mag Sauber als Team und Peter Sauber aus Mensch sehr gut. Aber zuerst geht's in der F1 halt doch um den Fahrer. In der Rangliste ist die Schweizer Fahne nur bei Buemi und nicht bei Sauber. Und doch wurde zu oft nur von den Sauber Fahreren gesprochen. Nun, jetzt habe einfach noch einen Traum: Buemi fährt für Sauber. Wenn wir dies laut kundtun ... wer weiss, vielleicht wird dann dieser Traum doch noch war.
pam
Ganz bestimmt gibt es eine (geringe) Anzahl Fahrer, die sich von der Klasse her von den anderen abheben. Aber geben Sie Buemi mal zwei, drei Monate einen Red Bull wie Vettel, und auch er wird aufs Podest fahren.
T. Lötscher
So schlecht kann Sebastian Buemi dann doch nicht gewesen sein. Immerhin hat er den Testfahrer-Vetrag bekommen und nicht Alguersuari und dies nicht als zweite Wahl. Zumindest drang diesbezüglich nichts nach aussen.
Hätte Vettel, ohne die überzeugenden Einsätze als Kubica-Ersatz damals im BMW-Sauber je einen Vertrag im Torro Rosso erhalten? Und mit dem STR der letzten beiden Jahren hätte wohl auch Vettel keinen Regensieg in Monza landen können.
Es stellt sich für mich schon seit Jahren die Frage, wer ausser Dr. Helmut Marko, hat ein Mitspracherecht bei der Fahrerauswahl? Ich glaube keiner.
Thomas Koch
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